Aal (Anguilla anguilla)

Der geheimnisvolle Wanderer


Von weit, weit her kommen die Aale. Wenn sie Elbe und Saale erreichen, haben sie schon mehrere tausend Kilometer zurückgelegt. Sie kommen von der Sargassosee, einem Bereich im Westatlantik dicht vor der nordamerikanischen Küste. Dort laichen die Aale, ein Vorgang, der bisher noch niemals beobachtet worden ist.

Die Wanderung der Aale von der Sargassosee bis an die europäischen Küsten dauert drei Jahre. Dabei durchlaufen sie verschiedene Entwicklungsstadien: Zuerst treiben die Larven mit dem Golfstrom ostwärts. Im küstennahen Meer wandeln sie sich in farblose Jungaale (“Glasaale”) um und wandern in die Mündungsgebiete der Flüsse ein. Beim Eintritt ins Brack- und Süßwasser erhalten die Tiere ihre dunkle Färbung. Die Aale leben dann mehrere Jahre im Süßwasser, bis zur Geschlechtsreife. Haben sie diese erlangt, stellen sie die Nahrungsaufnahme ein, bekommen eine festere Haut und größere Augen, die meerwärts gerichtete Wanderung in Richtung Sargassosee beginnt.

Der Aufstieg von Aalen ist in den letzten Jahren alarmierend zurückgegangen. Die Gründe dafür sind nicht genau bekannt. Zum einen hat der Bau der Staustufe Geesthacht in der unteren Elbe zu einer deutlichen Verringerung aufsteigender Jungaale geführt. Zusätzlich sind die Bestände an Glasaalen in den Mündungsgebieten der Flüsse auf fünf bis zehn Prozent zurückgegangen. Die Ursache dafür ist vermutlich der intensive Fang von Aalen an den spanischen und französischen Küsten. Dazu kommen ein starker Parasitenbefall und der Tod wandernder Aale in den Anlagen der Wasser- und Kernkraftwerke entlang der unteren Elbe.

Der Rückgang wird auch mit geringeren Besatzmengen in den letzten Jahren erklärt. Das bedeutet aber, dass die bisherige Häufigkeit viel höher war, als durch die selbständige Einwanderung möglich wäre und die Besatzmaßnahmen den Rückgang des natürlichen Aufkommens nur überdeckt haben. Vor allem in Stillgewässer und in durch Stauanlagen abgeriegelte Fließgewässer werden schon seit langem Aale eingesetzt. Dazu werden Jungaale in großen Mengen an den Küsten gefangen und ins Binnenland geschafft.

Aale sind Marathonspezialisten: Auf ihren Wanderungen legen sie am Tag Strecken von dreißig bis vierzig Kilometern zurück.
Sollte es auf ihrem Weg einmal nicht mehr im Wasser weitergehen, können Aale für kurze Strecken auch zu “Landgängern” werden.