Flussneunauge (Lampetra fluviatilis)

Keine Wege für kleine Geister


Flussneunauge n haben eine lange Kindheit. Als Larven leben sie im Gewässergrund von Bächen und Flüssen eingegraben und ernähren sich von Schwebstoffen, die sie aus dem Wasser filtrieren. Nach drei bis fünf Jahren wandeln sie sich in frei schwimmende Neunaugen um und wandern in die Küstengewässer ab. Im Meer wachsen sie zu geschlechtsreifen Tieren heran, die dann zum Laichen wieder in die Flüsse hinaufziehen. Während der Wanderung nehmen sie keine Nahrung auf, und ihre Verdauungsorgane verkümmern. Im Frühjahr laichen sie ab und gehen danach zugrunde.

Die bis zu 40 cm langen Flussneunaugen waren wirtschaftlich wichtig. Während des Laichaufstieges wurden sie massenhaft gefangen, bei den Magdeburger Elbfischern  hießen sie „Pricken“ und wurden geräuchert, geröstet oder mariniert. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts setzte der Rückgang der Flussneunaugen ein. Die Ursachen dafür waren der Flussausbau, der zum Verlust geeigneter Laichplätze führte, die Errichtung von Wehren sowie die Abwasserbelastung: Als Filtrierer nehmen die Larven in starkem Maße Schadstoffe auf. 1960 wurde an der Unterelbe mit der Staustufe Geesthacht das gesamte oberhalb liegende Einzugsgebiet für Neunaugen abgeriegelt. Offenbar konnten die Tiere die Eingänge in die vorhandenen Fischaufstiegshilfen nicht finden. Nachdem dort Verbesserungen vorgenommen wurden, konnten oberhalb vereinzelt wieder Flussneunaugen gefunden werden.

Flussneunaugen haben nicht neun Augen, sondern nur zwei. Auf jeder Seite haben sie ein Auge, eine Nasenöffnung und sieben Kiemenöffnungen  – deshalb fälschlich Neunauge.

in Sachsen-Anhalt als “vom Aussterben bedroht” eingestuft, deutschlandweit als “stark gefährdet”